Umgangsrecht

Nach einer Trennung der Ehegatten leben in den meisten Fällen die Kinder im Haushalt eines Elternteils und pflegen regelmäßigen Kontakt mit dem anderen Elternteil. Das ist das s. g. Residenzmodell. Dem Ehegatten, bei dem die Kinder nicht dauerhaft aufhältlich sind, steht ein Umgangs-Recht mit seinen Kindern zu. Der Umgang kann in Bezug auf die Dauer und den Umfang verschieden ausgestaltet sein.

Der Gesetzgeber sieht dieses Residenzmodell als die praktisch häufigste Gestaltung an. Das bedeutet jedoch nicht, dass dieses Modell ein gesetzliches Leitbild festlegt. So können auch Umgangs-Kontakte angeordnet werden, die zu hälftiger Betreuung durch die Eltern führen. Also eine Betreuung der Kinder je zur Hälfte durch die Mutter und den Vater. Das nennt man dann das paritätische Wechselmodell.

 

Der Maßstab für die Anordnung des Umgangs-Rechts bleibt jedoch immer das Kindeswohl.

Das Kindeswohl hat das Gericht in jedem Einzelfall zu prüfen. Das Gericht kann das Wechselmodell anordnen, wenn die jeweils hälftige Betreuung durch beide Eltern dem Kindeswohl in diesem konkreten Fall am besten entspricht. Um dies beurteilen zu können, muss das Gericht grundsätzlich das Kind persönlich anhören, um dessen Willen zu ermitteln. Mit zunehmendem Alter des Kindes ist diesem Kindeswillen ein höheres Gewicht beizumessen.

Voraussetzung für ein paritätisches Wechselmodell ist neben der Eruierung des Kindeswillens insbesondere auch die Kooperationsfähigkeit der Eltern untereinander. Wenn das Verhältnis der Eltern untereinander konfliktbeladen ist und keine Kommunikationsfähigkeit besteht, kann ein paritätisches Wechselmodell nicht funktionieren und entspricht daher regelmäßig nicht dem Kindeswohl.

Diese Voraussetzungen gelten nicht nur, wenn die Eltern das gemeinsame Sorgerecht für die Kinder ausüben. Vielmehr gilt das auch für den Fall, in dem das Aufenthaltsbestimmungsrecht auf einen Elternteil übertragen wurde, der andere Elternteil aber eine Abänderung dieser Entscheidung in einem Umgangs-Verfahren im Sinne eines paritätischen Wechselmodells begehrt.

 

Wenn es das Kindeswohl erfordert, kann das paritätische Wechselmodell auch gegen den ausdrücklichen Willen eines Elternteils durch das Familiengericht angeordnet werden.

 

BGH, Beschluss vom 01.02.2017 – XII ZB 601/15; OLG Frankfurt, Beschluss vom 16.10.2018 – 1 UF 74/18

 

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Das Wechselmodell im Familienrecht – Umgangs-Recht